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Opera Obscura di Napoli

Romeo and Juliet © Karen Stuke

Romeo and Juliet Teatro Mercadante 2010
[William Shakespeare; director: Alexander Zeldin, stage: George Tsypin]

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ITALIANO (original)

Als ich zum ersten Mal die Theaterbilder der Künstlerin Karen Stuke bei einem Besuch in ihrem Berliner Atelier gesehen habe, fühlte ich mich sofort wie ein Chorsänger der griechischen Tragödie. Gleichzeitig Partizipant und idealer Beobachter, reagierte ich auf die Ereignisse und die Inszenierung so, wie wahrscheinlich auch das reale Publikum reagiert hatte: Sofort und mit Wucht inmitten der Szene. Eine Fotografie zog mich besonders in ihren Bann, die Aufnahme von Hans Gerfors’ an der Opéra Comique Paris. Mir schien, sie offenbarte am besten die Idee, die Karen Stuke und ihre Leidenschaft für das Theater inspiriert hat.
Das Spiegelbild des Tisches, im Zentrum der Szene, und der Raumdecke nimmt mit einzigartiger Unmittelbarkeit die Einheit der Aktion der aristotelischen Memoria auf, eine einzige Bewegung absolut schlüssig und in sich vollendet und gemeinsam fand ich die beiden antiken Größen von Raum und Zeit darin für immer vereint.
Von dieser glücklichen Besessenheit Stukes für das Theater und ihrem Willen, in einem einzigen Bild den Geist einer vollständigen Inszenierung einzufangen, bis zur Idee eines Residenzprojekts im Rahmen des Napoli Teatro Festivals 2010 war es nur ein kleiner Schritt. Ich unterbreitete meinen kuratorischen Vorschlag dem damaligen künstlerischen Direktor des internationalen Theaterfestivals, Renato Quaglia, einem Mann mit tiefem Kulturverständnis, der ihn mit dem ihm eigenen regen, weitsichtigen und trockenen Enthusiasmus annahm.

Karen Stuke war im Juni 2010 Gast der Galleria Primo Piano. Der Aufenthalt markierte die außergewöhnliche Fortsetzung jenes zehnjährigen künstlerischen Weges, der das originellste und schlüssigste Element seines Ausdrucks im Theater findet.
Stukes künstlerische Erfahrung belebte sich an derjenigen des Napoli Teatro Festivals und an der Stadt. Das rasche Eintauchen der Künstlerin in das ihr vertraute Theaterambiente sowie die täglichen Erfahrungen, die sie mit der Stadt und den Festivalmitarbeitern machte, manifestieren sich in der Harmonie und der Schönheit ihrer Werke.
Die Verwendung einer Lochkamera, die das Prinzip der Camera Obscura aufgreift, beschrieben von Leonardo da Vinci im, will die lange europäische Tradition dieser ursprünglich für das Zeichnen konzipierten Apparate und die lange Geschichte der Studien lichtempfindlicher Materialien wieder beleben, die bereits die Forschungen von Plinius und Vitruv antrieben, bis zu ihrem Aufgehen ab dem 15. Jahrhundert in den Forschungsfeldern der Physik und Chemie. Diese wichtigen technisch-wissenschaftlichen Studien werden somit Teil eines ästhetischen und poetischen Problems, wie John Szarkowski schreibt: der Idee von der Möglichkeit ein Bild aufzunehmen und zu bewahren, das aus dem Licht und der Natur selbst kommt.

Im Gebrauch dieses Zauberkastens, mit dem Karen Stuke ein vollständiges Theaterstück auf einer einzigen Fotoplatte abbildet, zeigt sich die Geschichte eines doppelten Traums, der sich spiegelbildlich konkretisiert, jenes Traums von der Konvention des Theaterraums, skené, der durch eine winzige Öffnung, stenos opaios, eingesaugt wird, die wiederum das Geschehen in einem verkleinerten Raum reproduziert und davon unauslöschliche Spuren hinterlässt.
Es scheint als höre man nun sowohl die Worte von Walter Gropius, der seine Absicht erklärt, die Zuschauer mitten in das Geschehen zu stellen und sie zu zwingen ein Teil von ihm zu werden, als paradoxerweise auch diejenigen Brechts, der hingegen die Verfremdung bekundet, gegen die Identifikation und für die kritische Auseinandersetzung.

Karen Stuke gelingt es in ihren Aufnahmen jene Größen, von denen ich anfangs schrieb, zusammenfließen zu lassen, und beschwört so die Unmöglichkeit der Identifikation, indem sie uns das Gleichgewicht verlieren lässt.

Antonio Maiorino, Kurator

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18-carati © Karen Stuke

Diciotto Carati Teatro Mercadante 2010
[Esteban Antonio Skármeta; director: Giovanni Scacchetti]

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Farfalle © Karen Stuke

L’uomo che dava da bere alle farfalle Teatro San Ferdinando 2010
[Juan Carlos Zagal; director: Juan Carlos Zagal]

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Football Football © Karen Stuke

Football, Football Real Albergo Dei Poveri 2010
[Haris Pasovic; director: Haris Pasovic]

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Lavoro © Karen Stuke

Tu (non) sei il tuo Lavoro Teatro Nuovo 2010
[Rosella Postorino; director: Sandro Mabellini]

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bizarra © Karen Stuke

Bizarra Teatro Sannazaro 2010
[Rafael Spregelburd; director: Manuela Cherubini]

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Mahagonny © Karen Stuke

Ascesa e rovina della città di Mahagonny, var. 1 Passaggio a Napoli Real Albergo Dei Poveri 2010
[after Bertold Brecht and Kurt Weill; director: Lisa Ferlazzo Natoli]

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le Tigre Bleu © Karen Stuke

Le Tigre Bleu de L’Euphrat Maschio Angioino 2010
[Laurent Gaudé; director: Michel Didym]